Ein Tag … auf Zeche Zollern

Foto: Sylvia Schemmann

Foto: Sylvia Schemmann

Das Ruhrgebiet hat unendlich viel zu bieten. Deshalb ist es manchmal auch gar nicht so schlimm, wenn man seinen Urlaub mal zu Hause verbringt. Es gibt genügend Ausflugziele, an denen man sich schon einmal einen Nachmittag vertreiben kann. Ein absolut lohnenswertes Ziel ist das Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen.

Die 1904 im Jugenstil erbaute Zeche wird auch „Schloss der Arbeit“ genannt. Sobald man den ersten Blick auf die prachtvollen Backsteinbauten mit Zinnen, Türmchen und einen parkartigen Innenhof geworfen hat, wird klar, wieso. Nach Dreck und schwerer Maloche sieht das hier auf den ersten Blick nicht aus.

Als sie erbaut wurde, galt sie als Musterzeche – nicht nur aufgrund ihrer architektonischen Besonderheiten, sondern auch, weil sie technisch seinerzeit nach den modernsten Standards erbaut wurde. Betreiber der Zeche Zollern war die Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG), der zu dieser Zeit unter anderem auch die Zeche Minister Stein im Stadtteil Eving gehörte.

Die Zeche Zollern galt als Prestigeobjekt der GBAG und sollte auch repräsentieren. Im Vergleich zu anderen Ruhrzechen hatte sie keine sehr lange Laufzeit: 1966 wurde sie im Zuge der Bergbaukrise endgültig stillgelegt. Danach drohte Zollern, die wohl mit Recht als eine der schönsten Zechen im Ruhrgebiet gilt, der Abriss. Auf dem Gelände sollte eine Schnellstraße entstehen. Proteste von Bürgern und Fachleute verhinderten zum Glück, dass dieses architektonische Prunkstück der Abrisswut des frühen Strukturwandels zum Opfer fiel.

Wie in der Kirche

Heute atmet man hier Industriegeschichte. Zwei Torhäuschen begrüßen den Besuchern, in einem befindet sich der Eingang. Die Dauerausstellung betritt man durch die ehemalige Lohnhalle, die – wahrscheinlich nicht ganz zufällig – durchaus Ähnlichkeit mit einem Kirchenschiff besitzt. Geht man durch das Jugendstil-Portal, steht man in der Halle  mit enorm hohen Decken und blickt auf ein Buntglas-Fenster. Statt Heiligenbildchen sind dort Schlägel und Eisen neben Ornamenten zu sehen.

Das Jugenstilportal der Lohnhalle. (Foto: Sylvia Schemmann)

Das Jugenstilportal der Lohnhalle. (Foto: Sylvia Schemmann)

Links geht es dann in die ehemalige Kaue, die heute die Dauerausstellung beherbergt. Viele Exponate und informative Tafeln zeichnen die Ausbildung eines jungen Bergmanns nach. Es gibt einen großen Bereich, der sich der Freizeitgestaltung der Bergleute – insbesondere der jungen Bergleute – widmet. Ein kleiner Bereich greift den beginnenden Strukturwandel auf. In der ehemaligen Jugendkaue – Jugendliche unter 18 Jahren hatten aus „sittlichen Gründen“ separate Duschräume – ist heute die Ausstellung zu „Sauberkeit und Hygiene“, wo es auch um Gesundheit und Unfallverhütung geht.

Durchquert man die Kaue, kommt man zur Lampenstube. Klingt banal, doch natürlich war die Grubenlampe eines der wichtigsten Werkzeuge des Bergmannes und in Kunst und Kultur ein oft gebrauchtes Symbol für den Berufsstand. Erlebbar wird Geschichte auf Zeche Zollern auch dadurch, dass man Dinge berühren und ausprobieren kann. Wer einmal einen der schweren, mit Pressluft betriebenen Abbauhämmer oder eine kiloschwere Grubenlampe hochhebt, kann sich noch mehr ausmalen, wie schwer solche Dinge die Arbeit des Bergmanns zusätzlich gemacht haben.

Tod und Grubenwehr

Von der Lampenstube führt eine Treppe in den Keller. Dort wird man mit einem Explosionsgeräusch empfangen – hier geht es um Schlagwetterexplosionen, Grubenunglücke, Unfälle und ganz allgemein den allgegenwärtigen Tod unter Tage. Auch die Geschichte und die Arbeit der Grubenwehren wird hier beleuchtet und die Forschungen im Test-Bergwerk Tremonia. Für Kinder gibt es hier unten ein Highlight: einen Kletter-Keller, in dem sie selbst einmal nachfühlen können, wie es unter Tage zuging. Generell ist die Ausstellung mit einer Kunstfigur eines Berglehrlings, der durch die Ausstellung führt, auch für Kinder gut aufbereitet.

Die Maschinenhalle. Foto: Sylvia Schemmann

Die Maschinenhalle. Foto: Sylvia Schemmann

Geht man über den Hof kommt man zur alten Verwaltung und zur Maschinenhalle, die derzeit leider wegens Bauarbeiten gesperrt ist. Mehr als ein Blick durchs Fenster auf die gewaltigen Maschinenräder ist also nicht drin. Links und rechts eingerahmt wird die Halle von zwei Fördertürmen. Geht man über den Hof auf die andere Seite, kommt man zum Restaurant Pferdestall – eine Gaststätte, die im Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet ist und westfälische Spezialitäten serviert. Ein Testbericht des Essens kann an dieser Stelle nicht gegeben werden, doch es roch sehr appetitlich nach Reibekuchen…

Einer der beiden Fördertürme. (Foto: Sylvia Schemmann)

Einer der beiden Fördertürme. (Foto: Sylvia Schemmann)

Neben dem Restaurant befindet sich das Gebäude für die Wechselausstellungen, die im Eintrittspreis mit drin sind. Im Moment gibt es dort eine Ausstellung zum Thema „Unterwelten“. Dann kommt man zum zweiten Torhäuschen, in dem der Museumsladen und der Ausgang untergebracht sind.

Wenn man die äußerst interessante Ausstellung durch hat und immer noch Lust hat, kann man noch die direkt angrenzende Zechensiedlung besichtigen. Direkt am Zechentor befinden sich die großzügigen Steigerhäuser im Villenstil für die Grubenbeamten. Daran angrenzend liegt die Kolonie Landwehr, wo die Arbeiter mit ihren Familien wohnten. Wer sich für die Architektur und die dörfliche Anordnung der alten Zechensiedlungen begeistern kann, wird die Kolonie mögen. Ein Stück weiter entstand später eine weitere Siedlung, die sogenannte Neue Kolonie.

Foto: Sylvia Schemmann

Foto: Sylvia Schemmann

Und am Bahnhof Bövinghausen kann man noch einen Blick auf das prächtige Betriebsführerhaus werfen. Ein schöner Ausflug in die Dortmunder Industriegeschichte, sehr zu empfehlen!

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5 I 44388 Dortmund
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr und an Feiertagen. Montags geschlossen.
Letzter Einlass ist um 17.30 Uhr.
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