Böse Wetter

Wenn man ein Kapitel seines Lebens abschließt, um ein neues zu beginnen, neigt man häufig dazu, zurückzublicken. Mein Studium an der Ruhr-Universität Bochum ist zu Ende und bei allem Fluchen gibt es bestimmt das Eine oder Andere, das mir ehrlich fehlen wird.

Die Caféteria im Gebäude GA zum Beispiel. Sie ist der Ort, an dem sich die Quelle zum dringend benötigten Koffeinnachschub aus dem Schoß von Mutter Erde erhebt. Hin und wieder gab es sogar etwas Brauchbares zum Essen dort. Und zumindest im Sommersemester standen die Chancen auch ganz gut, dort ein Plätzchen zu finden, an dem man mit mehr oder weniger gutem Gewissen sein Seminar schwänzen oder seine Freistunden verbringen konnte.

Ein echtes Highlight waren auch immer die Bauarbeiten, die mit Vorliebe natürlich nicht in den Semesterferien, sondern zum Ende der Vorlesungszeit durchgeführt wurden. Dann sind da noch die sprechenden Aufzüge. Jedes Gebäude bei den Geisteswissenschaftlern unterteilt sich in einen Nord- und einen Südteil, wobei der Südteil eine Etage mehr hat, weil der ganze Komplex am Hang gebaut ist. In jedem Gebäudeteil gibt es sechs Fahrstühle – fünf kleine und einen großen. Und von diesen sechs Fahrstühlen kann einer sprechen.

Fahrstühle aus der Hölle

Das hektische „Tür auf, Tür auf“ oder „Ebene 6, Ebene 6“, das von der Sprechweise an einschlägige Filme des Horror-Genres erinnert, konnte einem Schauer über den Rücken jagen. Und die eigentliche Funktion des Ganzen wurde kräftig unterwandert durch die Tatsache, dass der Aufzug immer schon hektisch „Tür auf, Tür auf“ verkündete, wenn diese ihre metallenen Pforten noch eindeutig fest geschlossen hatte. Ich möchte nicht wissen, wie viele sehbehinderte Studenten im Laufe der Jahre diese Fehlkoordination mit einer dicken Beule auf der Stirn bezahlt haben.

Wirklich fehlen wird mir aber die Kreativität der Deutschen Bahn. In einem früheren Beitrag habe ich ja bereits von den Freuden einer Fahrt über die A 40 berichtet. Im Februar 2008 zog ich von Wambel in die Innenstadt um und beschloss, fortan den Weg zur Uni mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück zu legen. In der Theorie funktionierte das auch wunderbar. In der Praxis eher nicht so.

Probleme mit der Pünktlichkeit

Die Regionalverkehrszüge nach Dortmund haben nämlich bis heute marginale Probleme mit der Pünktlichkeit. Eigentlich sollte mir das sympathisch sein, denn da haben sie etwas mit mir gemeinsam. Doch nach acht Stunden Uni war mein Geduldsfaden eher noch dünner als sonst. Das Problem ist, dass diese Züge aus dem Rheinland kommen und zwischen Aachen und Bochum kann eine ganze Menge passieren.

Ein einziges Mal habe ich tatsächlich erlebt, dass eine Verspätung mit der Begründung, es sei bei Essen jemand vor den Zug gesprungen, angekündigt wurde. Sonst wird das ja eher höflich mit „Notarzteinsatz am Gleis“ oder ähnlichem umschrieben. Ab und an bewies die Deutsche Bahn aber wirklich Kreativität.

Eines Abends im Oktober wollte ich wieder einmal nach der Uni heimwärts gen Dortmund reisen. Natürlich hatte der Zug Verspätung. Eine Viertelstunde. Doch die Begründung steht bis heute unangefochten an Platz 1 in den DB-Charts der dummen Ausreden. Ich traute meinen Ohren nicht: „Dieser Zug hat aufgrund der Witterungsverhältnisse zur Zeit 15 Minuten Verspätung.“.

Witterungsverhältnisse…

Um mein Entsetzen über diese Unverfrorenheit auch einordnen zu können: Es war in ganz NRW ein sonniger Tag gewesen, trocken und leicht windig, bei etwa 15 Grad. Das nenne ich mal böse Wetter…

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